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Zusammenfassung

Bei Patienten im Wachstum ist die Wahl des am besten geeigneten Behandlungsplans selbst für den erfahrenen Zahnarzt schwierig. Das endgültige Behandlungsergebnis wird von zahlreichen allgemeinen, lokalen und individuellen Faktoren beeinflusst. Daher ist eine umfassende Betrachtung der ätiologischen und pathogenetischen, anatomischen und entwicklungsbedingten, chirurgischen und prothetischen, patienten- und elternseitigen Faktoren erforderlich, um vorhersagbare und dauerhafte Ergebnisse zu erzielen. Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Zahnimplantation bei Patienten im Wachstum sowie Empfehlungen für die bei Kindern und Jugendlichen häufigsten klinischen Situationen.

Einleitung

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Versorgung mit Implantaten und implantatgetragener Prothetik bei Erwachsenen als Standardbehandlung etabliert. Auf mehreren ITI Konsensuskonferenzen wurde bestätigt, dass sich dieser Ansatz als zuverlässig, sicher und nützlich für die Patienten erwiesen hat (Chen & Buser, 2009; Dawson et al. 2022; Gallucci et al. 2018). Allerdings sind die Überlebens- und Erfolgsraten von Implantaten bei Kindern und Jugendlichen niedriger als bei Erwachsenen (De Angelis et al. 2017). Bislang gibt es keine ausreichende Anzahl klinischer Langzeitstudien, in denen die klinischen, funktionellen und ästhetischen Ergebnisse, die Zufriedenheit der Patienten und die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen evaluiert wurden. Daher besteht bei der implantologischen Therapie von Patienten im Wachstum weiterhin Unsicherheit über die geeigneten Behandlungsoptionen, das ideale Behandlungsalter sowie über die Anzahl und Position der Implantate, die zu sicheren und vorhersagbaren Langzeitergebnissen führen.

Bei Patienten im Wachstum sind fehlende Zähne seltener als bei Erwachsenen. Gemäß dem Global Burden of Disease 2017 ist der Zahnverlust bei Erwachsenen meistens auf unbehandelte Karies und Parodontalerkrankungen zurückzuführen. Bei Kindern hingegen dominieren dentale Traumata, kongenitale Erkrankungen, vor allem ektodermale Dysplasie, und postoperative Veränderungen nach der Entfernung von Tumoren (Huang & Driscoll, 2014; Roth 2018). Aufgrund der anders gearteten Ätiologie und Pathogenese sind lang bestehende chronische Entzündungen und eine Veränderung der oralen Mikrobiota bei Patienten im Wachstum seltener. Ungeachtet dessen ist bei Kindern die konventionelle Prothetik eine bevorzugte Behandlungsoption, bis das Wachstum abgeschlossen ist, auch wenn dies den Patienten manchmal nicht vollständig zufriedenstellt (Bohner et al. 2019).

Bei Kindern und Jugendlichen wird die Planung zum Ersatz fehlender Zähne von allgemeinen Patientenmerkmalen (Entwicklungsphase und Allgemeinzustand), lokalen Aspekten (Wachstumsmuster von Ober- und Unterkiefer sowie Anzahl und Position der fehlenden Zähne) und weiteren individuellen Gesichtspunkten (Bereitschaft von Patient und Eltern zur Kooperation mit dem Zahnarzt und ökonomische Faktoren) beeinflusst. Für diesen Artikel wurden daher die aktuellen und relevanten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Durchführung bestimmter Behandlungsoptionen und Implantationen bei Patienten im Wachstum zusammengestellt und werden für die häufigsten klinischen Situationen praktische Empfehlungen gegeben.