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Zusammenfassung

Prävention und Behandlung der Periimplantitis sind schwierig und es gibt keinen therapeutischen Goldstandard, der vorhersehbare positive Ergebnisse erzielt, die denen nach der Behandlung einer Parodontitis entsprechen. Daher wird sofort nach der Diagnosestellung einer Periimplantitis ein striktes Behandlungskonzept aus folgenden Schritten empfohlen: 1) Reduktion lokaler und systemischer Risikofaktoren, 2) rasche Einleitung einer konservativen Behandlung, 3) frühzeitige Beurteilung der konservativen Behandlungsergebnisse, 4) bei ausbleibendem Erfolg, rascher Umstieg auf eine operative Behandlungsphase, sofern der Patient dem zustimmt, 5) der Behandlung sollte sich grundsätzlich eine stringente supportive periimplantäre Behandlung in auf den Patienten abgestimmten Intervallen anschließen, und 6) falls erforderlich, sollte die Korrektur periimplantärer Weichgewebedefekte erwogen werden. Dieses Konzept wird im vorliegenden Artikel anhand mehrerer klinischer Fallbeispiele vorgestellt; zusätzlich wird ein Überblick über den derzeitigen Stand der Wissenschaft gegeben.

Einleitung

Da Implantate heute ein integraler Bestandteil des klinischen Alltags sind, ist auch die Prävalenz der Periimplantitis stark angestiegen. Prävention und Behandlung der Periimplantitis sind schwierig und es gibt keinen therapeutischen Goldstandard, der vorhersehbare positive Ergebnisse ähnlich denen nach der Behandlung einer Parodontitis erzielt. Die Prävalenz wird in der Literatur, abhängig von der untersuchten Population und den für die Falldefinition herangezogenen diagnostischen Kriterien wie Schwellenwerte für Taschentiefe und Knochenverlust, sehr unterschiedlich angegeben; fast jeder fünfte bis vierte Patient ist von einer Periimplantitis betroffen (Derks & Tomasi 2015). Angesichts der Tatsache, dass von Jahr zu Jahr die Zahl der gesetzten Implantate ansteigt (Klinge et al. 2018), bedeutet diese hohe Prävalenzrate, dass sehr viele Patienten betroffen sind und die Periimplantitis sehr häufig ist. Vor Kurzem veröffentlichte die European Federation of Periodontology (EFP) klinische S3-Praxisleitlinien zur Prävention und Behandlung periimplantärer Erkrankungen (Herrera et al. 2023), die in diesem Artikel besprochen und zusammengefasst werden.